Herr Jahn, wie schützt man eigentlich ein Moor?
Vor allem, indem man die Flächen kauft oder pachtet. Dann bringen wir von der Loki Schmidt Stiftung die Moore wieder in einen naturnahen Zustand. Etwa, indem wir sie wiedervernässen und von jungen Bäumen oder Brombeeren befreien. Wir mähen auch und sorgen dafür, dass Weidetiere die Landschaft offenhalten. Und einfach mal Müll sammeln, das gehört auch dazu.
Über 140 Hektar Moorfläche konnte die Stiftung schon sichern – in Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Ja, das ist schon eine Menge, muss aber noch viel mehr werden. Nur so können wir bedrohte Pflanzen wie Sonnentau, Moosbeere und Wollgras oder Tierarten wie Moorfrösche, Kreuzottern und Graureiher schützen und ihre Lebensräume bewahren – und natürlich unser Klima sehr effektiv schützen. Denn Moore bedecken nur 3 % der Erdoberfläche, speichern aber doppelt so viel CO2 wie alle Wälder zusammen. In Deutschland stammen übrigens rund 7 % der menschengemachten CO2-Emissionen aus der Nutzung und Zerstörung von Mooren.


Weil sie so unglaublich gut Kohlenstoff speichern, sind Moore echte Helden im Kampf gegen die Klimakrise. Aber so bekannt wie Superman sind sie noch lange nicht, oder?
Nein, leider nicht. Damit sich das ändert, betreiben wir viel Öffentlichkeitsarbeit und verschaffen den Mooren mehr Aufmerksamkeit. Für Schulklassen haben wir spezielle naturpädagogische Programme entwickelt. Hinzu kommen Vorträge, Tagungen, Aktionstage, und wir bilden auch zertifizierte Moor- und Landschaftsführerinnen als Multiplikatoren aus. Auf Social Media sind wir natürlich auch aktiv. Alle, die das hier lesen: Folgt uns gerne auf Instagram!

Wie bekommt die Loki Schmidt Stiftung nicht nur mehr Follower, sondern auch mehr Moore? Welchen Herausforderungen begegnen Sie dabei?
Geeignete Flächen zu finden, ist aufwendig. Denn der Verkauf ist ja freiwillig, da müssen wir zum Teil viel Überzeugungsarbeit leisten. Hinzu kommen wasserrechtliche Genehmigungen und Gutachten, die in einigen Fällen erforderlich sind. Man braucht Durchhaltevermögen und Verhandlungsgeschick. Nicht zuletzt stehen traditionelle Nutzungsformen wie die Landwirtschaft und politische Rahmenbedingungen dem Moorschutz oft im Weg. So darf beispielsweise die Wiedervernässung keine angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen beeinträchtigen.
Klingt umständlicher, als es sein sollte. Was muss sich ändern, damit Sie Moore einfacher schützen können?
Um bei der Landwirtschaft zu bleiben: Hier würden Einkommensalternativen für Landwirt*innen helfen – also Anreize, Flächen dauerhaft für die Renaturierung zur Verfügung zu stellen. Denn mit Mooren lässt sich kaum Geld verdienen. Auch neue gesetzliche Rahmenbedingungen könnten wir gebrauchen. Und natürlich noch mehr öffentliches Bewusstsein und Engagement.
We need Moor, sozusagen. Wir freuen uns, Sie bei Ihrer Arbeit unterstützen zu können. Gemeinsam können wir noch viel bewegen – vielleicht auch über Moore hinaus, etwa beim Schutz wilder Wälder?
Sehr gute Idee!
Wer noch mehr über Moore wissen möchte: Der Moor-Atlas der Heinrich-Böll-Stiftung ist eine echte Empfehlung.